Stadtinterventionen
Ein Street-Art-Projekt der HAWK Hildesheim



Im Rahmen der Grundlehre durchlaufen alle Designstudenten der HAWK ein Seminar, das räumliche Basiserfahrungen und -fähigkeiten vermittelt. Neben Übungen in Umgang und Ausdruck verschiedener raumbildender Verfahren ist auch eine Stadt ein Raum, mit dem es sich täglich auseinanderzusetzen gilt und der auf seine Qualitäten untersucht werden muss. Das Projekt „Stadtinterventionen“ ist eine Auseinandersetzung mit der Erfahrung eines gemeinsam genutzten Stadtraumes und zeigt skulpturale Installationen, die zu einer bewussten Wahrnehmung dessen führen, was in der Regel durch die Selbstverständlichkeit seiner Nichtbeachtung erlebt wird. Denn unsere Innenstädte gleichen einander inzwischen bis zur Verwechselbarkeit. Ähnliche Niederlassungen der immer gleichen Ladenketten und einheitliche Formen der Stadtmöblierung und Verkehrsführung erzeugen eine uniforme Oberfläche moderner Urbanität, dessen größte Qualität seine Pflegeleichtigkeit ist.
Kultur als Form einer gelebten Reibung mit dem Bestehenden hat in dieser sterilen Atmosphäre keine Bedeutung. Während üblicherweise Kulturerfahrungen in eigens dafür inszenierten Räumen (Museen, Theater, Galerien etc...) gemacht werden und mit Betreten dieser Räume eine entsprechende Codierung auf das zu erwartende Erlebnis einhergeht, sind die studentischen Arbeiten der Stadtinterventionen direkt und unerwartet im Straßenbild der Stadt erfahrbar. Sie reagieren auf das Alltägliche und lenken den Blick auf Orte, an denen wir in der Regel achtlos vorübergehen.
Street Art ist ein insbesondere in jugendlichen Subkulturbewegungen weit verbreitetes Phänomen, dessen heutige Ausprägung vor allem auf die Punk- und HipHop-Bewegung zurückgeht. Es wird sich in der Regel der öffentliche Raum illegal zunutze gemacht, um Schriften, Bilder und Botschaften hinzuzufügen. Aufgrund der damit verbundenen Schädigung von öffentlichem und privatem Eigentum wird Street Art in Form von Graffiti oft noch immer mit Vandalismus gleichgesetzt, was wegen der meist mangelhaften Qualität des so zur Schau Gestellten durchaus verständlich erscheint.
Doch existieren inzwischen andere Formen der Street Art, die weit weniger auf Beschädigungen hin angelegt sind und die Palette der Möglichkeiten ist vielfältig. Temporäre Aktionen, ungewöhnliche Objekte, Skulpturen und Informationen werden als visuelle Stolperfallen in den Fluss der Stadt eingewoben. Die Möglichkeit, dass viele Passanten diese Interventionen gar nicht wahrnehmen, ist dabei bewusst einkalkuliert. Sie bilden damit ein subversives Gegengewicht zur steten Präsenz von Konsum und Werbung, die mit ihrer verführerischen Kaufoption den Alltag des Stadtbildes dominiert. In dieser Hinsicht ist das Projekt „Stadtinterventionen“ der HAWK Hildesheim eine kritische Auseinandersetzung mit den sozialen, kulturellen und ökonomischen Dimensionen von Stadt, die sich im Zeitalter der Globalisierung rasant und nachhaltig verändern.